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Sauerkraut selber machen im Steinguttopf – wie es früher ging

Sauerkraut selber machen wie im Keller der 1950er: Grundrezept mit 2 Prozent Salz, Steinguttopf und Beschwerung – plus die Unterscheidung zwischen harmloser Kahmhefe und Schimmel.

Sauerkraut selber machen im Steinguttopf – wie es früher ging
Illustration: KI-generiert

Sauerkraut selber machen braucht drei Dinge: Weißkohl, Salz und Geduld. Auf ein Kilogramm gehobelten Kohl kommen 20 Gramm Salz, alles wird gestampft, bis der Saft den Kohl vollständig bedeckt, und dann steht der Topf vier bis sechs Wochen. Mehr passiert nicht – der Rest ist Milchsäuregärung.

In vielen Haushalten war der Krautstampfer ein eigenes Gerät, und der Steinguttopf im Keller fasste 10 bis 20 Liter. Sauerkraut war die Gemüsequelle des Winters, nicht eine Beilage unter vielen.

Warum Sauerkraut selber machen überhaupt funktioniert

Auf den Kohlblättern sitzen von Natur aus Milchsäurebakterien. Salz entzieht dem Kohl Wasser und schafft eine Umgebung, in der genau diese Bakterien sich vermehren können und die meisten anderen nicht. Sie wandeln Zucker in Milchsäure um, der pH-Wert sinkt, und ab einem gewissen Punkt ist der Kohl konserviert.

Entscheidend ist der Luftabschluss. Milchsäurebakterien arbeiten ohne Sauerstoff, Schimmel und Kahmhefen brauchen ihn. Deshalb der eiserne Grundsatz aus allen alten Anleitungen: Der Kohl muss vollständig unter der Lake stehen. Was oben herausschaut, verdirbt.

Sauerkraut selber machen: das Grundrezept aus dem Haushaltsbuch

Für einen 10-Liter-Topf rechnete man mit etwa 8 Kilogramm Weißkohl und 160 Gramm Salz.

  • Kohl putzen, die äußeren Blätter beiseitelegen, Strunk entfernen.
  • Fein hobeln – dünne Streifen geben schneller Saft ab.
  • Lagenweise in den Topf: eine Handvoll Kohl, etwas Salz, stampfen. Wiederholen.
  • Stampfen, bis der Saft steht. Das dauert länger, als man denkt.
  • Die beiseitegelegten Blätter obenauf, dann die Beschwerungssteine.
  • Wasserrinne füllen, Deckel auflegen, warm anstellen.

Die ersten drei bis fünf Tage stand der Topf bei etwa 20 Grad, damit die Gärung anspringt. Danach wanderte er in den Keller, wo er bei 15 Grad und darunter langsam weitergärte. Nach vier bis sechs Wochen war das Kraut fertig.

Sauerkraut selber machen im Steinguttopf mit Beschwerungssteinen
Illustration: KI-generiert
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Wie viel Salz braucht Sauerkraut?

Salzanteil Wirkung Bewertung
unter 1,5 % Gärung läuft schnell, wird aber leicht schlecht zu wenig
2 % zügige Gärung, zuverlässiges Ergebnis Standardwert
2,5 % langsamere Gärung, längere Haltbarkeit für warme Räume
über 3 % Gärung kommt kaum in Gang zu viel

20 Gramm Salz auf ein Kilogramm Kohl entsprechen zwei Prozent und sind der Wert, der in den alten Büchern steht. Verwendet wurde reines Steinsalz ohne Zusätze – jodiertes Speisesalz und Rieselhilfen können die Gärung stören.

Der Steinguttopf: warum ausgerechnet der?

Der klassische Gärtopf hat eine Rinne am oberen Rand, die mit Wasser gefüllt wird. Der Deckel taucht darin ein und bildet einen Verschluss, durch den Gärgase entweichen können, aber keine Luft hineinkommt. Ein Ventil ohne Mechanik.

Steinzeug ist außerdem lichtdicht, geschmacksneutral und reagiert nicht mit der Säure. Metall täte das, Kunststoff war nicht verfügbar. Wer heute Sauerkraut selber machen will, kann ersatzweise ein großes Bügelglas nehmen – dann muss der Bügel offen bleiben, damit die Gase entweichen.

Wichtig ist bei jeder Variante die Beschwerung. Ohne Gewicht steigt der Kohl auf, sobald sich Gase bilden, und liegt an der Oberfläche frei. Steine, ein wassergefüllter Beutel oder ein Teller mit Gewicht erfüllen denselben Zweck.

Oma wusste es – oder doch nicht?

„Weißer Belag auf dem Kraut bedeutet, dass es verdorben ist.“

Meistens nicht. Ein weißer, samtiger Film ist Kahmhefe – harmlos, wenn er abgeschöpft wird, und ein Zeichen dafür, dass Luft an die Oberfläche kam. Anders bei pelzigem, farbigem Belag in Grün, Schwarz oder Rot: Das ist Schimmel, und dann gehört der ganze Ansatz entsorgt. Die Faustregel lautet: weiß und flach abschöpfen, pelzig und bunt wegwerfen.

Teilweise – Kahmhefe ja, Schimmel nein

Was kam ausser Kohl noch in den Topf?

Das Grundrezept kommt mit zwei Zutaten aus, aber kaum ein Haushalt blieb dabei. Regional unterschiedlich wanderten Gewürze mit hinein, meist lagenweise verteilt.

  • Wacholderbeeren – die häufigste Zugabe, etwa ein Esslöffel auf den 10-Liter-Topf.
  • Kümmel – galt als bekömmlichkeitsfördernd und prägt den Geschmack deutlich.
  • Lorbeerblätter – zwei bis drei Stück, eher zurückhaltend.
  • Apfelscheiben oder Weintrauben – lieferten zusätzlichen Zucker für die Gärung.
  • Eine Handvoll Roggenmehl – in manchen Gegenden üblich, um die Gärung anzuschieben.

Wer Sauerkraut selber machen will und beim ersten Ansatz auf Nummer sicher gehen möchte, lässt alles weg außer Kohl und Salz. Gewürze verändern nicht die Haltbarkeit, sondern nur den Geschmack – und beim ersten Mal ist es hilfreich zu wissen, wie das Ergebnis pur schmeckt.

Was ist mit Rotkohl und anderem Gemüse?

Dasselbe Verfahren funktioniert mit Rotkohl, Weißrüben, Möhren und Bohnen. Rotkraut wurde seltener eingelegt, weil es beim Gären an Farbe verliert. Weiße Rüben ergaben Sauerrüben, in Süddeutschland als eigene Vorratsform verbreitet.

Bei allen gilt dieselbe Regel: zwei Prozent Salz, vollständig unter der Lake, kühl gelagert. Nur die Gärzeit unterscheidet sich – festes Gemüse braucht länger als fein gehobelter Kohl.

Woran erkenne ich, dass es funktioniert?

Nach ein bis zwei Tagen bilden sich Bläschen, und aus der Wasserrinne steigt in unregelmäßigen Abständen Gas auf. Der Geruch wird säuerlich, nicht faulig. Die Lake trübt sich – das ist normal und kein Zeichen von Verderb.

Verdächtig sind: ein fauliger oder hefiger Geruch, schmierige Konsistenz, farbiger Belag oder Kohl, der über die Lake ragt. In den ersten drei Fällen kommt der Ansatz weg, im vierten drückt man den Kohl wieder unter und ergänzt bei Bedarf Salzlake im Verhältnis 20 Gramm auf einen Liter Wasser.

Wie lange hält fertiges Sauerkraut?

Selbst gemachtes Sauerkraut hält im kühlen Keller bei unter 10 Grad und vollständig unter der Lake hält es mehrere Monate, in vielen Haushalten den ganzen Winter über. Entnommen wurde immer mit einem sauberen Löffel, nie mit der Hand, und der Rest wurde sofort wieder beschwert.

Wer den Topf nicht kühl stellen kann, füllt das fertige Kraut in Gläser um und stellt es in den Kühlschrank. Eingekocht hält es länger, verliert dabei aber die lebenden Milchsäurebakterien – das war früher der übliche Weg für größere Mengen, wenn kein kühler Keller vorhanden war.

Was davon heute noch funktioniert

Das gesamte Verfahren, unverändert. Sauerkraut selber machen gehört zu den wenigen Konservierungsmethoden, bei denen die alten Angaben ohne Einschränkung gelten – anders als beim Einkochen säurearmer Lebensmittel, wo die überlieferten Zeiten heute nicht mehr genügen.

Der Grund für diesen Unterschied ist die Säure selbst: Sie ist es, die konserviert, und sie entsteht in ausreichender Menge, wenn Salzanteil und Luftabschluss stimmen. Genau deshalb war Sauerkraut über Jahrhunderte die sicherste Wintervorratsform überhaupt. Wie es beim Einkochen anders aussieht, steht in der Einkochzeiten-Tabelle.

Transparenz: Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung generiert und von Maik Möhring redaktionell geprüft und verantwortet.

Häufige Fragen

Wie viel Salz braucht man fu00fcr Sauerkraut?

20 Gramm auf ein Kilogramm gehobelten Kohl, also zwei Prozent. Weniger lu00e4sst die Gu00e4rung zu schnell laufen und begu00fcnstigt Verderb, mehr als drei Prozent bremst sie so stark, dass sie kaum in Gang kommt. Verwende reines Salz ohne Rieselhilfen.

Wie lange muss Sauerkraut gu00e4ren?

Vier bis sechs Wochen. Die ersten drei bis fu00fcnf Tage bei etwa 20 Grad, damit die Gu00e4rung anspringt, danach ku00fchl bei 15 Grad und darunter. Je ku00fchler es steht, desto langsamer und milder wird das Ergebnis.

Was bedeutet weiu00dfer Belag auf dem Sauerkraut?

Ein weiu00dfer, flacher Film ist meist Kahmhefe. Sie ist harmlos und wird abgeschu00f6pft. Pelziger Belag in Gru00fcn, Schwarz oder Rot ist Schimmel u2013 dann gehu00f6rt der ganze Ansatz entsorgt.

Braucht man unbedingt einen Steinguttopf?

Nein, aber er macht es einfacher. Die Wasserrinne lu00e4sst Gu00e4rgase entweichen, ohne Luft hereinzulassen. Ersatzweise geht ein grou00dfes Bu00fcgelglas mit offenem Bu00fcgel. Entscheidend ist in jedem Fall, dass der Kohl beschwert vollstu00e4ndig unter der Lake bleibt.

Wie lange hu00e4lt fertiges Sauerkraut?

Im ku00fchlen Keller unter 10 Grad und vollstu00e4ndig unter der Lake mehrere Monate. Entnommen wird immer mit einem sauberen Lu00f6ffel, danach der Rest sofort wieder beschwert.

Verwendete Quellen

  • Haushaltsbuch fu00fcr die junge Frau, 1952 — Grundrezept, Salzmenge und Gu00e4rzeiten fu00fcr den Steinguttopf
  • Bundeszentrum fu00fcr Ernu00e4hrung (BZfE): Ku00fcche und Alltag, abgerufen 08/2026 — Milchsu00e4uregu00e4rung als Konservierungsverfahren Quelle