Kompost anlegen wie früher – die Mischung macht es
Kompost anlegen wie im Nutzgarten der 1950er: das Verhältnis von grünem zu braunem Material, was nicht hineingehört, das Umsetzen und die Kressetprobe.
Kompost anlegen braucht drei Dinge: eine Mischung aus grünem und braunem Material, Luft und Zeit. Auf einen Teil feuchtes Grünzeug kommen zwei bis drei Teile trockenes Braunmaterial – Laub, Häckselgut, Stroh. Nach sechs bis zwölf Monaten ist daraus Erde geworden.
In jedem Garten der 1950er-Jahre stand ein Komposthaufen, und zwar nicht aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit: Mineraldünger war teuer, und alles Organische, was der Haushalt hergab, war zu wertvoll zum Wegwerfen.
Kompost anlegen: warum die Mischung entscheidet
Die Kleinstlebewesen im Kompost brauchen Kohlenstoff als Energiequelle und Stickstoff zum Wachsen. Grünes Material – Rasenschnitt, Küchenabfälle, frisches Unkraut – liefert Stickstoff. Braunes Material – Laub, Zweige, Stroh, Pappe – liefert Kohlenstoff.
Zu viel Grün, und der Haufen wird nass, fault und stinkt nach Ammoniak. Zu viel Braun, und es passiert schlicht nichts, weil den Bakterien der Stickstoff fehlt.
| Grünes Material | Braunes Material |
|---|---|
| Rasenschnitt | Herbstlaub |
| Obst- und Gemüsereste | Häckselgut, Zweige |
| Kaffeesatz, Teereste | Stroh und Heu |
| Frisches Unkraut | Sägespäne unbehandelt |
| Mist von Pflanzenfressern | Papier, Eierkartons |
Die alte Faustregel lautete: Nach jeder Lage Grün eine Lage Braun. Wer im Frühsommer viel Rasenschnitt hat, hebt im Herbst Laub in Säcken auf – genau dafür standen die Laubhaufen hinter dem Schuppen.

Was nicht auf den Kompost gehört
Oma wusste es – oder doch nicht?
„Alles Organische kann auf den Kompost.“
Das war schon damals nicht richtig, auch wenn es oft so gehandhabt wurde. Gekochte Speisereste, Fleisch, Fisch und Milchprodukte ziehen Ratten und Mäuse an und faulen, statt zu verrotten. Wurzelunkräuter wie Giersch und Quecke überleben den Haufen und werden mit dem Kompost im ganzen Garten verteilt. Kranke Pflanzenteile ebenso, wenn der Haufen nicht heiss genug wird – und im Hausgarten wird er das selten. Was Oma richtig machte: Sie verbrannte Kranke und Wurzelunkräuter oder gab sie separat weg.
Stimmt nicht – vier Gruppen gehören ausdrücklich nicht hinein
Die vier Ausschlusskategorien im Einzelnen:
- Gekochtes, Fleisch, Fisch, Milchprodukte. Locken Ratten an und faulen.
- Wurzelunkräuter. Giersch, Quecke, Winde – sie treiben aus dem fertigen Kompost neu aus.
- Samentragendes Unkraut. Die Samen überstehen die Rotte und keimen im Beet.
- Kranke Pflanzenteile. Kraut- und Braunfäule, Kohlhernie, Feuerbrand – im Hausgarten wird der Haufen nicht heiß genug, um die Erreger abzutöten.
Ebenfalls nicht hinein gehören behandeltes Holz, Kohleasche, Katzen- und Hundekot sowie alles mit Kunststoffanteil, einschließlich vieler Teebeutel.
Kompost anlegen: so wird der Haufen aufgesetzt
- Standort: halbschattig, auf gewachsenem Boden, nicht auf Beton. Der Kontakt zur Erde ist wichtig, damit Regenwürmer und Bodenlebewesen einwandern.
- Unterste Lage: grobes Material – Zweige, Häckselgut, etwa 20 Zentimeter hoch. Das sorgt für Luft von unten und verhindert Staunässe.
- Aufschichten: abwechselnd grün und braun, jede Lage 10 bis 20 Zentimeter.
- Impfen: zwischendurch etwas fertige Komposterde oder Gartenboden einstreuen – bringt die Bakterien mit.
- Abdecken: mit Laub, Stroh oder einer Matte. Schützt vor Austrocknen und vor Auswaschung bei Starkregen.
Die Höhe sollte einen Meter nicht wesentlich überschreiten, die Breite ein bis anderthalb Meter betragen. Ein zu kleiner Haufen wird nicht warm, ein zu großer bekommt innen keine Luft.
Umsetzen: der Schritt, den fast alle auslassen
Nach zwei bis drei Monaten wird der Haufen umgeschichtet – was außen war, kommt nach innen. Das bringt Luft ein, gleicht die Feuchtigkeit aus und beschleunigt die Rotte erheblich.
Ohne Umsetzen dauert es statt sechs bis acht Monate eher ein Jahr, und das Ergebnis ist ungleichmäßiger. In den alten Gartenheften steht das Umsetzen deshalb als fester Termin, meist im Frühjahr und im Spätsommer.
Die Feuchtigkeitsprobe: Eine Handvoll aus dem Inneren zusammendrücken. Tropft Wasser heraus, ist es zu nass – dann Braunmaterial einmischen. Zerfällt es staubig, ist es zu trocken und braucht Wasser.
Woran erkennt man fertigen Kompost?
An Geruch und Aussehen. Fertiger Kompost riecht nach Waldboden, ist dunkelbraun und krümelig, und die Ausgangsmaterialien sind nicht mehr erkennbar. Er sollte sich kühl anfühlen – warmer Kompost arbeitet noch.
Die Kressetprobe war die Kontrolle der alten Gärtner: Kressesamen in eine Schale mit dem Kompost säen. Keimen sie zügig und wachsen grün, ist der Kompost reif. Bleiben sie zurück oder vergilben, ist er noch nicht so weit.
Gesiebt wird durch ein grobes Gitter. Was nicht durchfällt, kommt zurück auf den neuen Haufen und dient dort gleich als Impfmaterial.
Miete, Rahmen oder Behälter?
Drei Bauformen, alle drei funktionieren – sie unterscheiden sich in Platzbedarf und Tempo.
Die offene Miete war die Regel: ein freier Haufen ohne Umrandung, hinten im Garten. Braucht viel Platz, ist dafür bequem umzusetzen und bekommt reichlich Luft.
Der Holzrahmen aus vier Brettern oder Paletten hält den Haufen in Form. Zwei Kammern nebeneinander sind ideal: In die eine wird umgesetzt, die andere nimmt frisches Material auf. So hat man immer Kompost in beiden Reifestadien.
Der geschlossene Behälter aus Kunststoff hält die Wärme besser und arbeitet schneller. Er fasst weniger, lässt sich schlechter umsetzen und braucht mehr Aufmerksamkeit bei der Feuchtigkeit.
Wer Kompost anlegen will und Platz hat, fährt mit zwei Holzkammern am besten. Das entspricht dem, was in den alten Gärten stand, und ist bis heute die praktischste Lösung.
Wie er verwendet wird
Nicht als Erde, sondern als Zugabe. Zwei bis drei Liter je Quadratmeter, im Frühjahr flach eingearbeitet, reichen für ein Gemüsebeet. Reiner Kompost ist zu nährstoffreich für Aussaaten und zu salzhaltig für Topfpflanzen.
Starkzehrer wie Kohl, Kürbis und Tomaten bekamen früher die größte Portion, Wurzelgemüse deutlich weniger – Möhren werden bei zu viel Stickstoff pelzig und teilen sich.
Was davon heute noch funktioniert
Das gesamte Verfahren. Kompost anlegen hat sich in siebzig Jahren nicht verändert, weil die Bodenlebewesen dieselben geblieben sind. Ein Rahmen aus vier Brettern leistet, was ein gekaufter Thermokomposter auch leistet – nur langsamer.
Ergänzt haben wir vor allem Wissen über das, was nicht hineingehört. Dass kranke Pflanzenteile und Wurzelunkräuter den Haufen überleben, war damals nicht in dieser Klarheit bekannt – und ist der häufigste Grund dafür, dass sich ein Problem im Garten Jahr für Jahr wiederholt.
Häufige Fragen
Welches Verhältnis von grünem zu braunem Material ist richtig?
Ein Teil feuchtes Grünmaterial auf zwei bis drei Teile trockenes Braunmaterial. Zu viel Grün lässt den Haufen faulen und nach Ammoniak riechen, zu viel Braun bremst die Rotte, weil der Stickstoff fehlt.
Was gehört nicht auf den Kompost?
Gekochte Speisereste, Fleisch, Fisch und Milchprodukte, weil sie Ratten anziehen. Außerdem Wurzelunkräuter wie Giersch und Quecke, samentragendes Unkraut und kranke Pflanzenteile – im Hausgarten wird der Haufen nicht heiß genug, um Erreger abzutöten.
Wie lange dauert es, bis Kompost fertig ist?
Sechs bis acht Monate bei regelmäßigem Umsetzen, ohne Umsetzen eher ein Jahr. Fertiger Kompost riecht nach Waldboden, ist dunkelbraun und krümelig und fühlt sich kühl an.
Warum muss man Kompost umsetzen?
Weil dabei Luft eingebracht und die Feuchtigkeit ausgeglichen wird. Was außen lag, kommt nach innen und verrottet dort erst richtig. Ohne Umsetzen dauert alles länger und das Ergebnis wird ungleichmäßig.
Wie viel Kompost braucht ein Beet?
Zwei bis drei Liter je Quadratmeter, im Frühjahr flach eingearbeitet. Reiner Kompost ist zu nährstoffreich für Aussaaten. Starkzehrer wie Kohl und Tomaten bekommen mehr, Wurzelgemüse deutlich weniger.
Verwendete Quellen
- Handgeschriebenes Gartenheft, Familienbesitz, 1940er–1950er — Aufbau des Komposthaufens, Umsetztermine im Frühjahr und Spätsommer
- Haushaltsbuch für die junge Frau, 1952 — Kapitel Nutzgarten mit Hinweisen zur Verwertung von Küchenabfällen