Zum Inhalt springen
Selbermachen

Flicken aufnähen: Hosen und Ellenbogen retten wie früher

Flicken aufnähen wie früher: die sechs Schritte, welcher Stoff zu welchem Kleidungsstück passt, sichtbar oder unsichtbar – und warum Aufbügelflicken zusätzlich genäht gehören.

Flicken aufnähen: Arbeitshose mit aufgestecktem Knieflicken und Nähkorb
Illustration: KI-generiert

Einen Flicken aufnähen dauert zwanzig Minuten und rettet eine Hose, die sonst weggeworfen würde. Der Unterschied zum Zunähen ist derselbe wie beim Stopfen: Ein Flicken überbrückt die Fläche und trägt die Belastung mit, während eine zusammengezogene Naht an den Rändern erneut aufreißt.

In den alten Nähkörben lag dafür ein eigener Vorrat: Stoffreste ausgedienter Kleidungsstücke, nach Farbe und Stärke sortiert. Kein Hemd wurde entsorgt, ohne vorher die brauchbaren Flächen herauszuschneiden.

Wo Flicken aufnähen sich lohnt

Stelle Belastung Flicken sinnvoll?
Knie Reibung und Dehnung ja, die klassische Stelle
Ellenbogen Reibung ja, oft mit Lederflicken
Hosenboden Reibung, dünn gescheuert ja, wenn der Stoff ringsum fest ist
Naht aufgeplatzt Zugbelastung nein, hier wird genäht statt geflickt
Reissverschluss Mechanik nein, Schieber oder Band tauschen
Flächig durchgescheuert Gewebe insgesamt müde nein, reisst daneben wieder

Die Regel ist dieselbe wie beim Socken stopfen: Geflickt wird, solange das umliegende Gewebe noch trägt. Ist der Stoff ringsum durchscheinend, hält der beste Flicken nicht.

Arbeitshose mit aufgestecktem Knieflicken und Nähkorb
Illustration: KI-generiert

Flicken aufnähen: die sechs Schritte

  1. Loch begradigen. Ausgefranste Ränder mit der Schere sauber zuschneiden, meist zu einem Rechteck oder Quadrat.
  2. Flicken zuschneiden. Auf jeder Seite zwei bis drei Zentimeter größer als das Loch, Ecken leicht abrunden – runde Ecken lösen sich seltener.
  3. Ränder umschlagen. Etwa fünf Millimeter nach innen bügeln, damit nichts ausfranst.
  4. Aufstecken. Mit Stecknadeln fixieren, den Fadenlauf des Flickens am Kleidungsstück ausrichten. Quer aufgesetzt zieht sich der Stoff später schief.
  5. Aufnähen. Rundum mit kleinen Stichen, entweder von Hand oder mit der Maschine im Geradstich, etwa drei Millimeter vom Rand.
  6. Innen versäubern. Den Rand des Lochs auf der Innenseite ebenfalls annähen, sonst franst er unter dem Flicken weiter aus.

Bei Hosen wird von innen gearbeitet, bei Jacken oft von außen – das ist eine Frage der Optik, nicht der Haltbarkeit.

Oma wusste es – oder doch nicht?

„Ein Aufbügelflicken hält genauso gut.“

Er hält gut, aber nicht gleich lang. Der Kleber verbindet sich mit den Fasern und übersteht mehrere Wäschen problemlos – irgendwann löst er sich jedoch an den Ecken, besonders an Stellen mit Dehnung wie dem Knie. Die Kombination ist deshalb das Beste aus beidem: aufbügeln, damit der Flicken sitzt, und anschliessend rundum mit ein paar Stichen fixieren. Bei Kinderhosen, die drei Geschwister durchlaufen, ist das der Unterschied zwischen einer Saison und fünf.

Teilweise – hält, aber nicht so lange wie genäht

Welcher Stoff für welchen Flicken?

Der Flicken sollte dieselbe oder eine ähnliche Stärke haben wie das Kleidungsstück. Ein dicker Flicken auf dünnem Stoff reißt an den Rändern aus, weil die Belastung dort zusammenläuft.

  • Jeans: alter Jeansstoff, notfalls Köper oder festes Baumwollgewebe.
  • Arbeitskleidung: Drillich oder Segeltuch, früher auch Leder am Knie.
  • Hemden und Blusen: Stoff aus dem Hemdsaum oder von der Innenseite der Tasche – dieselbe Farbe, garantiert dieselbe Qualität.
  • Wollsachen: Filz oder Wollstoff, nie Baumwolle. Unterschiedliches Verhalten beim Waschen zieht die Stelle zusammen.
  • Ellenbogen: Leder oder Cord, in ovaler Form. Das war lange ein Stilmerkmal, kein Notbehelf.

Der Trick mit dem Hemdsaum steht in vielen alten Anleitungen: Man nimmt den Stoff von einer unsichtbaren Stelle desselben Kleidungsstücks. Farbe und Verwaschungsgrad passen dann exakt, und der Saum wird ein Stück schmaler, was niemand bemerkt.

Der Restekorb: das eigentliche Werkzeug

Ohne Materialvorrat ist jede Reparatur ein Einkauf – und dann lohnt sie sich schon wieder nicht. Genau deshalb stand in jedem Haushalt ein Korb oder eine Schachtel mit Stoffresten.

Hinein kam alles, was beim Aussortieren brauchbar blieb: die Rückenpartie eines durchgescheuerten Hemds, Hosenbeine zu kurz gewordener Hosen, Bettwäsche mit einem Riss in der Mitte. Sortiert wurde nach Stoffart und Farbe.

Dazu kamen Knöpfe in einer Blechdose, Gummibänder, Reissverschlüsse aus ausgedienten Jacken und Bandreste. Das war kein Sammeln aus Sparsamkeit allein, sondern Vorratshaltung wie im Keller – nur eben für Textilien.

Wer heute anfangen will, braucht dafür nicht zu warten: Zwei bis drei alte Jeans und ein ausgedientes Bettlaken decken die häufigsten Fälle ab.

Sichtbar oder unsichtbar?

Beides war üblich, und die Wahl hing vom Kleidungsstück ab. Sonntagskleidung wurde möglichst unsichtbar geflickt, Arbeitskleidung sichtbar und mit kräftigem Garn – dort zählte Haltbarkeit.

Die unsichtbare Variante ist das Einsetzen: Der Flicken wird nicht aufgelegt, sondern in die ausgeschnittene Öffnung eingepasst und von der Rückseite mit einem Verstärkungsstoff hinterlegt. Das braucht Übung und lohnt nur bei gutem Material.

Sichtbares Flicken erlebt gerade eine Rückkehr unter dem Namen Visible Mending, oft mit farblich abgesetztem Garn. Der Gedanke dahinter ist neu, die Technik nicht: In Arbeitskleidung wurde immer sichtbar geflickt, nur ohne dass jemand es als Gestaltung verstanden hätte.

Von Hand oder mit der Maschine?

Beides funktioniert, und die alten Anleitungen nennen beides. Der Unterschied liegt weniger in der Haltbarkeit als in der Kontrolle.

Von Hand lässt sich an schwer zugänglichen Stellen arbeiten – Hosenbeine, Ärmel, enge Ecken. Man sieht bei jedem Stich, was passiert, und kann die Spannung anpassen. Ein Flicken aufnähen dauert so zwanzig Minuten statt fünf.

Mit der Maschine geht es schneller und die Naht wird gleichmässiger. Bei Jeans und Arbeitskleidung ist das die bessere Wahl, weil die Belastung höher ist. Ein Freiarm hilft bei Hosenbeinen, sonst muss die Naht seitlich aufgetrennt und danach wieder geschlossen werden.

Der Zickzackstich ist bei dehnbaren Stoffen die richtige Wahl, der Geradstich bei festen. Wer einen Geradstich auf Jersey setzt, reisst die Naht beim ersten Dehnen.

Vorbeugen: doppelte Knie

Kinderhosen wurden früher oft schon beim Nähen mit einer zweiten Stofflage am Knie versehen. Das kostete wenig Material und verdoppelte die Lebensdauer der Hose.

Wer ein gekauftes Kleidungsstück verstärken will, näht innen einen Verstärkungsflicken auf, bevor das Loch entsteht. Von außen sieht man nichts, und die Stelle hält deutlich länger.

Dasselbe gilt für Ellenbogen bei Pullovern und für Taschenränder, die von Schlüsseln und Münzen aufgescheuert werden.

Was davon heute noch funktioniert

Die Technik unverändert, und Flicken aufnähen ist eine der Handarbeiten, die sich am schnellsten lernen lassen – deutlich einfacher als Stopfen, weil man nicht weben muss.

Gelohnt hat es sich früher immer, heute nicht mehr überall. Bei einer Arbeitshose, einer Jeans oder einer Kinderhose, die noch zwei Geschwister durchläuft, steht der Aufwand in einem guten Verhältnis. Wo diese Rechnung sonst aufgeht, steht unter Reparieren statt wegwerfen, und wie das Gegenstück bei Socken aussieht, unter Socken stopfen.

Transparenz: Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung generiert und von Maik Möhring redaktionell geprüft und verantwortet.

Häufige Fragen

Wie näht man einen Flicken richtig auf?

Loch begradigen, Flicken zwei bis drei Zentimeter größer zuschneiden, Ränder umschlagen, mit Nadeln fixieren und rundum mit kleinen Stichen aufnähen. Wichtig ist, den Fadenlauf auszurichten und den Lochrand innen zu versäubern.

Halten Aufbügelflicken?

Sie überstehen mehrere Wäschen, lösen sich aber mit der Zeit an den Ecken, besonders an Stellen mit Dehnung wie dem Knie. Am besten kombiniert man beides: aufbügeln und anschließend rundum mit ein paar Stichen fixieren.

Welcher Stoff eignet sich als Flicken?

Einer mit ähnlicher Stärke wie das Kleidungsstück. Für Jeans alter Jeansstoff, für Arbeitskleidung Drillich oder Leder, für Wollsachen Filz oder Wollstoff. Bei Hemden nimmt man Stoff aus dem eigenen Saum – Farbe und Verwaschungsgrad passen dann exakt.

Wann lohnt sich ein Flicken nicht mehr?

Wenn das Gewebe ringsum bereits durchscheinend ist, bei aufgeplatzten Nähten und bei defekten Reißverschlüssen. In den ersten Fall reißt es daneben wieder auf, in den anderen beiden wird genäht oder ein Teil getauscht.

Was ist Visible Mending?

Sichtbares Flicken mit farblich abgesetztem Garn. Der Gedanke, es als Gestaltung zu verstehen, ist neu – die Technik nicht. In Arbeitskleidung wurde immer sichtbar geflickt, weil dort Haltbarkeit zählte.

Verwendete Quellen

  • Haushaltsbuch für die junge Frau, 1952 — Kapitel Ausbessern mit Anleitung zum Aufsetzen und Einsetzen von Flicken
  • Lehrplan Handarbeitsunterricht, Volksschule, 1950er — Flickstich als Übungsstück