Schmalz auslassen und Griebenschmalz ansetzen
Schmalz auslassen wie früher: welches Fett wofür taugt, warum es langsam gehen muss, wie Griebenschmalz angesetzt wird und wie lange es wirklich hält.
Schmalz auslassen heißt, festes Fett bei niedriger Hitze langsam flüssig zu machen und die festen Bestandteile abzutrennen. Was zurückbleibt, sind die Grieben. Wichtig ist die Geduld: Bei zu großer Hitze wird das Fett braun und schmeckt streng, statt hell und neutral zu bleiben.
Wer Schmalz auslassen kann, hatte früher zugleich ein Konservierungsmittel im Haus. Schmalz war über Jahrhunderte das wichtigste Speisefett und zugleich ein Konservierungsmittel. In Fett eingelegtes Fleisch hält sich monatelang, weil Luft nicht herankommt – dasselbe Prinzip wie beim Einlegen in Öl.
Schmalz auslassen: welches Fett wofür
| Ausgangsfett | Ergibt | Verwendung |
|---|---|---|
| Flomen (Nierenfett) | helles, mildes Schmalz | Backen, feine Küche |
| Rückenspeck | kräftigeres Schmalz mit Grieben | Griebenschmalz, Braten |
| Bauchspeck | würzig, weniger Ausbeute | Brotaufstrich |
| Gänsefett | weich, aromatisch | Gänseschmalz, Rotkohl |
| Rinderfett | fest, hoher Schmelzpunkt | Frittieren |
Flomen ist das feinste Ausgangsmaterial und liefert ein fast weißes, geruchsneutrales Schmalz. Es wurde für Gebäck verwendet, wo Eigengeschmack stören würde – Schmalzgebäck und Mürbeteig sind die klassischen Fälle.
Für Griebenschmalz nimmt man Rückenspeck, weil dort genug Fleischanteil für ordentliche Grieben sitzt.

Schmalz auslassen: die sechs Schritte
- Klein würfeln. Ein bis zwei Zentimeter, gleichmäßig – große Stücke geben ihr Fett nicht vollständig ab.
- Kalt aufsetzen mit zwei bis drei Esslöffeln Wasser im Topf. Das Wasser verhindert, dass am Anfang etwas ansetzt, und verdampft von selbst.
- Bei kleiner Hitze auslassen. Eine bis zwei Stunden, gelegentlich umrühren. Es soll leise brutzeln, nicht braten.
- Grieben abschöpfen, sobald sie goldbraun sind und oben schwimmen. Nicht warten, bis sie dunkel werden – dann werden sie bitter.
- Durchseihen durch ein feines Sieb oder ein Tuch.
- Abfüllen in saubere, trockene Gefäße und abkühlen lassen.
Aus einem Kilogramm Speck entstehen etwa 700 Gramm Schmalz und 150 Gramm Grieben. Der Rest ist Wasser, das verdampft.
Oma wusste es – oder doch nicht?
„Schmalz hält ewig, das verdirbt nicht.“
Reines, sauber ausgelassenes Schmalz hält kühl und dunkel tatsächlich sechs bis zwölf Monate – Fett ohne Wasser bietet Mikroorganismen kaum Grundlage. Sobald allerdings Zwiebel, Apfel oder Majoran hineinkommen, ändert sich die Rechnung grundlegend: Diese Zutaten bringen Wasser mit, und damit ist die Haltbarkeit auf drei bis vier Wochen im Kühlschrank beschränkt. Genau das wird beim Griebenschmalz regelmässig übersehen. Was ausserdem passiert, ist das Ranzigwerden – Licht, Wärme und Sauerstoff lassen Fett oxidieren. Erkennbar ist das am strengen Geruch und am kratzigen Geschmack; dann gehört es weg, auch wenn nichts zu sehen ist.
Teilweise – rein ja, mit Zwiebel und Apfel nicht
Warum es langsam gehen muss
Fett schmilzt bei etwa 40 Grad, aber das Wasser im Gewebe braucht Zeit zum Verdampfen, und die Zellwände müssen aufbrechen, damit das Fett austritt. Beides geschieht bei niedriger Temperatur vollständiger als bei hoher.
Wird zu heiss gearbeitet, bräunt der Fleischanteil, bevor das Fett heraus ist. Das Ergebnis ist dunkles Schmalz mit strengem Geschmack und eine deutlich geringere Ausbeute – ein erheblicher Teil bleibt in den verbrannten Grieben stecken.
Ein weiterer Grund für die kleine Hitze ist die Haltbarkeit. Überhitztes Fett oxidiert schneller und wird früher ranzig als schonend ausgelassenes.
In den alten Küchen stand der Topf deshalb am Rand der Herdplatte oder im Ofen bei kleiner Hitze – dieselbe Stelle, an der auch Zwetschgenmus stundenlang einkochte.
Griebenschmalz ansetzen
Die Zutaten kommen erst zum Schluss dazu, in das noch flüssige, aber nicht mehr heiße Schmalz. Zu heiß zugegeben verbrennen sie und machen alles bitter.
Klassisch sind fein gewürfelte Zwiebeln, ein geriebener säuerlicher Apfel, Majoran, Salz und Pfeffer. Die Zwiebeln werden vorher in etwas Schmalz glasig gedünstet, damit sie ihr Wasser abgeben.
Die Grieben werden untergehoben, wenn das Schmalz zu erstarren beginnt. Sonst sinken sie zu Boden und sitzen später alle in der untersten Schicht des Topfes.
Abfüllen und lagern
In Steingut- oder Glasgefäße, die sauber und vollständig trocken sein müssen. Ein Tropfen Wasser im Gefäß genügt, um Schimmel eine Grundlage zu geben.
Gelagert wird dunkel und kühl. Der Steinguttopf mit Deckel war die klassische Form – lichtdicht, kühl und mit dicker Wandung, die Temperaturschwankungen abfängt.
Entnommen wird mit einem sauberen, trockenen Löffel. Brotkrümel und Speisereste im Topf sind der häufigste Grund dafür, dass ein Vorrat vorzeitig verdirbt – dasselbe Problem wie bei Marmelade.
Fleisch in Schmalz einlegen
Das eigentliche Konservierungsverfahren, und heute kaum noch bekannt. Gebratenes oder gekochtes Fleisch wird in ein Gefäß geschichtet und vollständig mit flüssigem Schmalz übergossen, so dass nichts herausragt.
Das erstarrte Fett schließt Luft ab. Kühl gelagert hielt Fleisch auf diese Weise mehrere Monate, ohne Kühlschrank und ohne Glas.
Angewendet wurde es vor allem nach der Hausschlachtung, wenn große Mengen auf einmal anfielen. Wer es heute nachvollziehen möchte, sollte kühl lagern und binnen weniger Wochen verbrauchen – die Bedingungen eines kalten Vorratskellers hat kaum jemand.
Woran man verdorbenes Schmalz erkennt
Fett verdirbt anders als andere Vorräte – meist ohne sichtbare Veränderung. Deshalb entscheidet die Nase.
Ranzig. Ein strenger, stechender Geruch und ein kratziger Geschmack im Hals. Ursache ist Oxidation durch Licht, Wärme und Sauerstoff. Ranziges Fett gehört weg.
Schimmel an der Oberfläche. Kommt bei reinem Schmalz kaum vor, bei Griebenschmalz mit Zwiebel und Apfel schon. Dann ist das ganze Gefäss betroffen, nicht nur die Stelle.
Gelbliche Verfärbung an den Rändern bei längerer Lagerung im Licht. Ein Vorzeichen der Oxidation.
Wer Schmalz auslassen und einlagern möchte, füllt deshalb in kleine Gefässe ab statt in einen grossen Topf. Was einmal geöffnet ist, sollte binnen weniger Wochen aufgebraucht werden.
Wofür Schmalz verwendet wurde
- Als Brotaufstrich mit Salz und Zwiebeln – das Schmalzbrot war Vesper und Arbeitsverpflegung.
- Zum Braten, weil es hoch erhitzbar ist und nicht so schnell verbrennt wie Butter.
- Im Gebäck, für Mürbeteig und Schmalzgebäck.
- Zum Konservieren von Fleisch und Wurst.
- Für Eintöpfe als Grundlage, in der das Gemüse angeschwitzt wurde.
Was davon heute noch funktioniert
Das Auslassen unverändert, und es lohnt sich: Selbst ausgelassenes Schmalz schmeckt deutlich anders als gekauftes, und Speck vom Metzger kostet wenig.
Beim Konservieren würde ich zurückhaltender sein. Fleisch in Schmalz einzulegen funktioniert, setzt aber durchgehend niedrige Temperaturen voraus – und die gab es im Erdkeller zuverlässiger als in einer heutigen Wohnung. Was daraus gemacht wurde, steht unter altes Brot verwerten, denn Schmalzbrot war die häufigste Verwendung.
Häufige Fragen
Wie lässt man Schmalz richtig aus?
Fett klein würfeln, kalt mit zwei bis drei Esslöffeln Wasser aufsetzen und ein bis zwei Stunden bei kleiner Hitze auslassen. Es soll leise brutzeln, nicht braten. Grieben abschöpfen, sobald sie goldbraun sind, dann durchseihen.
Welches Fett eignet sich am besten?
Flomen, also Nierenfett, ergibt helles, mildes Schmalz für Gebäck. Rückenspeck liefert kräftigeres Schmalz mit ordentlichen Grieben. Gänsefett ist weich und aromatisch, Rinderfett fest und zum Frittieren geeignet.
Wie lange hält selbst gemachtes Schmalz?
Rein und sauber ausgelassen sechs bis zwölf Monate kühl und dunkel. Mit Zwiebel, Apfel oder Majoran nur drei bis vier Wochen im Kühlschrank, weil diese Zutaten Wasser mitbringen.
Wann kommen Zwiebel und Apfel ins Griebenschmalz?
Erst zum Schluss, in das noch flüssige, aber nicht mehr heiße Schmalz. Zu heiß zugegeben verbrennen sie und machen alles bitter. Die Grieben werden untergehoben, wenn das Schmalz zu erstarren beginnt.
Wie viel Schmalz ergibt ein Kilogramm Speck?
Etwa 700 Gramm Schmalz und 150 Gramm Grieben. Der Rest ist Wasser, das beim Auslassen verdampft.
Verwendete Quellen
- Haushaltsbuch für die junge Frau, 1952 — Schmalz auslassen, Griebenschmalz und Einlegen von Fleisch in Fett
- Handgeschriebenes Rezeptheft, Familienbesitz, 1930er–1950er — Mengenangaben und Würzung mit Majoran