Zum Inhalt springen
Garten

Rhabarber pflanzen und teilen – der Herbst ist die bessere Zeit

Rhabarber pflanzen im Herbst: warum die Knospe flach liegen muss, weshalb gezogen statt geschnitten wird und was hinter der Regel zum Johannistag wirklich steckt.

Rhabarber pflanzen: Rhabarberstaude im Herbstgarten mit geteiltem Wurzelstück
Illustration: KI-generiert

Rhabarber pflanzen gelingt im Herbst besser als im Frühjahr: Die Wurzel treibt bis zum Frost noch an, und im ersten Frühling steht bereits eine kräftige Pflanze da. Entscheidend ist die Pflanztiefe – die Knospe darf nur drei bis fünf Zentimeter unter der Erde liegen, sonst fault sie oder treibt schwach.

Rhabarber ist eine Staude, die zwanzig Jahre und länger am selben Platz stehen kann. Was ihn in alten Gärten so beliebt machte: Er ist im April erntereif, wenn sonst noch fast nichts da ist.

Rhabarber pflanzen: Standort und Boden

Sonnig bis halbschattig, mit viel Platz. Eine ausgewachsene Pflanze braucht einen Quadratmeter für sich allein – wer sie zu eng setzt, bekommt dünne Stiele.

Rhabarber ist ein Starkzehrer und ein Wasserzehrer zugleich. Der Boden soll humos, tiefgründig und gleichmäßig feucht sein, aber ohne Staunässe.

Vor dem Pflanzen kommt reichlich Kompost oder verrotteter Mist ins Pflanzloch – zwei bis drei Schaufeln. Das ist keine Übertreibung: Von dieser Grundversorgung zehrt die Pflanze die ersten Jahre.

Rhabarberstaude im Herbstgarten, daneben ein geteiltes Wurzelstück
Illustration: KI-generiert

Rhabarber pflanzen im Herbst: die fünf Schritte

  1. Loch ausheben, etwa 40 mal 40 Zentimeter, deutlich größer als das Wurzelstück.
  2. Kompost einarbeiten, zwei bis drei Schaufeln, mit der Aushuberde mischen.
  3. Wurzelstück einsetzen, so dass die Knospen nach oben zeigen.
  4. Nur flach bedecken. Drei bis fünf Zentimeter Erde über der Knospe, nicht mehr.
  5. Angießen und mit Laub oder Stroh mulchen.

Der vierte Punkt ist der, an dem die meisten Pflanzungen scheitern. Zu tief gesetzter Rhabarber fault am Herz oder treibt jahrelang nur schwach – dasselbe Prinzip wie bei Erdbeeren, nachzulesen unter Erdbeeren pflanzen.

Oma wusste es – oder doch nicht?

„Nach dem 24. Juni darf kein Rhabarber mehr geerntet werden, weil die Oxalsäure zu hoch wird.“

Die Regel ist richtig, die Begründung überwiegend nicht. Der Oxalsäuregehalt in den Stielen steigt im Lauf des Sommers zwar an, bleibt aber in einem Bereich, der bei normalem Verzehr unbedenklich ist. Der eigentliche Grund für den Johannistag als Schlussdatum ist die Pflanze selbst: Ab Ende Juni bildet sie die Reserven für das nächste Jahr, und wer weiter erntet, schwächt sie dauerhaft. Nach zwei, drei Jahren rücksichtsloser Ernte stehen nur noch dünne Stiele da. Relevant ist die Oxalsäure an anderer Stelle: Die Blätter enthalten deutlich mehr davon und gehören nicht auf den Teller.

Teilweise – Regel richtig, Grund ist die Pflanze, nicht die Säure

Ernten: ziehen, nicht schneiden

Die Stiele werden mit einer Drehbewegung aus der Pflanze gezogen, nicht abgeschnitten. Ein Schnittrest bleibt am Herz stehen, fault und öffnet den Weg für Krankheiten.

Geerntet wird ab dem zweiten Standjahr, im ersten gar nicht. Und immer nur ein Drittel bis höchstens die Hälfte der Stiele auf einmal – der Rest versorgt die Pflanze weiter.

Die Blätter werden direkt am Beet abgetrennt und bleiben dort. Sie sind wegen des hohen Oxalsäuregehalts nicht essbar, eignen sich aber als Mulchmaterial rund um die Pflanze.

Wann geteilt wird

Anzeichen Bedeutung
Stiele werden dünner Pflanze ist überaltert
Mitte der Staude wird kahl Kern stirbt ab, Teilung fällig
Frühe Blütenbildung Stress oder Alter
Ertrag sinkt trotz Düngung Teilung fällig

Geteilt wird alle fünf bis acht Jahre, im Herbst. Die Wurzel wird ausgegraben und mit dem Spaten in Stücke zerteilt – jedes Teilstück braucht mindestens eine kräftige Knospe und ein Stück Wurzel.

Der ausgelaugte Kern in der Mitte kommt weg, verwendet werden die äußeren Stücke. So entstehen aus einer alten Staude drei bis vier neue Pflanzen, kostenlos.

Rote oder grüne Sorten?

Ein Unterschied, der über den Geschmack entscheidet und beim Rhabarber pflanzen oft übersehen wird.

Grünstielige Sorten sind ertragreicher und wüchsiger, schmecken aber deutlich säuerlicher. Sie waren in Nutzgärten verbreitet, weil sie mehr lieferten.

Rotstielige Sorten sind milder und weniger sauer. Sie brauchen weniger Zucker und färben Kompott und Marmelade schön rosa.

Sorten mit rotem Fleisch – nicht nur roter Schale – sind die mildesten. Sie liefern weniger, dafür muss man sie kaum schälen.

Wer die Wahl hat und einen kleinen Garten, nimmt eine rotfleischige Sorte. Wer viel verarbeitet, fährt mit einer grünstieligen besser.

Die Blüte gehört entfernt

Rhabarber schiebt im Mai einen dicken Blütenstand, der beeindruckend aussieht und die Pflanze erheblich Kraft kostet. Er wird möglichst früh und tief herausgebrochen.

Wer die Blüte stehen lässt, erntet im Folgejahr deutlich weniger. Regelmäßige Blütenbildung ist außerdem ein Zeichen dafür, dass die Pflanze geteilt oder besser versorgt werden sollte.

Die Pflege übers Jahr

Sie ist kurz, und darin liegt der Reiz dieser Staude. Im Frühjahr eine kräftige Gabe Kompost rund um die Pflanze, im Sommer gleichmässig wässern, im Herbst abgestorbene Blätter entfernen.

Gedüngt wird nach der letzten Ernte im Juni ein zweites Mal – genau dann, wenn die Pflanze ihre Reserven aufbaut. Verrotteter Mist oder reifer Kompost sind dafür richtig, mineralischer Dünger ist unnötig.

Im Winter braucht Rhabarber keinen Schutz; er ist vollkommen frosthart und zieht oberirdisch ganz ein. Eine Mulchschicht aus Laub schadet trotzdem nicht, weil sie den Boden vor Auswaschung schützt.

Was ihm zusetzt, ist Trockenheit. In heissen Sommern gehört durchdringend gewässert – zwei bis drei Mal pro Woche gründlich statt täglich oberflächlich.

Was aus der Ernte wurde

Kompott, Kuchen, Marmelade und Saft – vor allem aber die erste frische Süßspeise des Jahres nach einem Winter aus Vorräten. Genau darin lag sein Wert.

Für Marmelade ist Rhabarber pektinarm; klassisch wurde er deshalb mit Äpfeln oder Quitten kombiniert, siehe Quitten verarbeiten. Wer ganz ohne Geliermittel arbeitet, findet die Regeln unter Marmelade ohne Gelierzucker.

Ein Hinweis zur Oxalsäure, der praktisch ist: Milchprodukte binden sie. Rhabarberkompott mit Milchreis oder Vanillesauce ist deshalb nicht nur Geschmackssache, sondern hat einen nachvollziehbaren Hintergrund.

Was davon heute noch funktioniert

Alles unverändert. Rhabarber pflanzen ist eine der dankbarsten Arbeiten im Nutzgarten: einmal gesetzt, liefert die Staude jahrzehntelang, ohne dass viel zu tun wäre.

Was ich ergänzen würde, ist die Begründung für die Johannis-Regel. Sie wird meist mit der Oxalsäure erklärt, und diese Erklärung führt in die Irre – wer sie nicht glaubt und weiter erntet, schadet nicht seiner Gesundheit, aber seiner Pflanze. Wie die Bodenversorgung dafür aussieht, steht unter Kompost anlegen.

Transparenz: Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung generiert und von Maik Möhring redaktionell geprüft und verantwortet.

Häufige Fragen

Wann pflanzt man Rhabarber?

Im Herbst, etwa Oktober bis November. Die Wurzel treibt bis zum Frost noch an, und im ersten Frühling steht bereits eine kräftige Pflanze da. Eine Frühjahrspflanzung ist möglich, aber schwächer im ersten Jahr.

Wie tief wird Rhabarber gepflanzt?

Die Knospe darf nur drei bis fünf Zentimeter unter der Erde liegen. Zu tief gesetzter Rhabarber fault am Herz oder treibt jahrelang nur schwach.

Warum erntet man nach dem 24. Juni nicht mehr?

Nicht wegen der Oxalsäure, wie meist behauptet, sondern wegen der Pflanze: Ab Ende Juni bildet sie ihre Reserven für das nächste Jahr. Wer weiter erntet, schwächt sie dauerhaft.

Warum werden die Stiele gezogen statt geschnitten?

Weil ein Schnittrest am Herz stehen bleibt, fault und Krankheiten den Weg öffnet. Die Stiele werden mit einer Drehbewegung herausgezogen. Geerntet wird nur ein Drittel bis höchstens die Hälfte auf einmal.

Wann muss Rhabarber geteilt werden?

Alle fünf bis acht Jahre, im Herbst. Anzeichen sind dünner werdende Stiele, ein kahler Kern in der Mitte, frühe Blütenbildung und sinkender Ertrag trotz Düngung.

Verwendete Quellen

  • Handgeschriebenes Gartenheft, Familienbesitz, 1940er–1950er — Pflanzung im Herbst, Teilung alter Stauden, Johannistag als Erntegrenze
  • Haushaltsbuch für die junge Frau, 1952 — Rhabarber als erste Frühjahrsernte, Verwendung mit Milchspeisen